Wissenschaftliche Forschung am Olympia-Morata-Gymnasium

Schülerakademie-Kurs „Wer bist du? Wie tickst du? Psychologische Experimente verstehen und durchführen“ präsentiert seine Ergebnisse.

Wie lässt sich folgendes Verhalten erklären? Wenn Emily auf dem Pausenhof zusammenbricht, ist es relativ wahrscheinlich, dass Paul ihr hilft, wenn nur er in Emilys Nähe ist. Wenn aber Paul, Peter, Christoph, Margit, Julia, Vanessa, Lukas und Stephanie um sie herumstehen, ist es unwahrscheinlich, dass überhaupt jemand ihr zur Hilfe eilt, obwohl es doch jetzt acht potenzielle Helfer gibt. Wie wir uns verhalten und wie wir Situationen erleben, ist oft auf den ersten Blick rätselhaft. Psychologen gewinnen dazu Erkenntnisse. Im obigen Beispiel waren das Darley und Latané mit ihren Experimenten zur Verantwortungsdiffusion. Am Olympia-Morata-Gymnasium fand in diesem Schuljahr ein Kurs der Schülerakademie Main-Rhön für besonders interessierte und aufgeweckte Schülerinnen und Schüler statt, in dem es darum ging, psychologische Experimente kennenzulernen sowie selbst zu entwickeln und durchzuführen. Am Samstag, dem 6. Juli 2019, war es dann soweit. Die Experimente und ihre Ergebnisse konnten der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Dazu waren Eltern, Großeltern, Geschwister und Freunde der Kursteilnehmerinnen und Kursteilnehmer eingeladen. Sie wurden zunächst im idyllischen Innenhof, der als Café fungierte, von der Kursleiterin Dagny Neumann begrüßt und erhielten eine kurze Einführung in wissenschaftliche Grundbegriffe. Die Gütekriterien, die erfüllt sein müssen, damit ein Experiment wissenschaftlich „sauber“ ist, wurden von Johann Ruppert und Carolin Mock vom Frobenius Gymnasium Hammelburg erläutert. Zum Beispiel muss ein Versuchsleiter alle Versuchspersonen vollkommen gleich behandeln. Störvariablen wie gutes oder schlechtes Wetter, die das Verhalten eventuell beeinflussen können, müssen kontrolliert werden. Vier Gruppen von jungen Forschern stellten dann ihre Versuche zu Themen wie Konformität oder Zeitgefühl in Präsentationen vor, die die Besucher häufig ihrerseits in die Rolle von Probanden schlüpfen ließen, z. B. mussten sie sehr leichte oder sehr schwere Quizfragen beantworten und im Anschluss einen mittelschweren Test bewältigen, der überprüfen sollte, ob die „Verlierer“ bereits Ansätze erlernter Hilflosigkeit zeigten. Die Gäste waren beeindruckt. Nicht nur waren den Enrichment-Schülerinnen und -schülern kurzweilige und spannende Präsentationen gelungen, sie hatten auch gelernt, wissenschaftlich-kritisch zu denken und Vermutungen dem Realitätstest auszusetzen. Damit sind sie dem Ideal des mündigen Bürgers ein gutes Stück nähergekommen.

Dagny Neumann