Egon Schiele – Freiheit des Ich

Auf großes Interesse traf die interessante und kenntnisreiche Führung von StD i. R. Bernd Wölfel durch die hochkarätige Ausstellung der Werke von Egon Schiele. Zum 100. Todestag des Malers – er starb 1918 im Alter von nur 29 Jahren in Wien an der damals in ganz Europa grassierenden Spanischen Grippe- ehrt das Museum Georg Schäfer einen der bedeutendsten Maler der sog. Klassischen Moderne durch eine Ausstellung von internationalem Format. Dank einer engen Zusammenarbeit mit der führenden Schiele-Sammlung, dem Leopold Museum in Wien, kann man in Schweinfurt die Entwicklung des Malers anhand von zentralen Werken gut verfolgen. Das malerische Talent des 1890 in Tulln (Niederöstreich) geborenen Schiele wurde früh erkannt und von Gustav Klimt, dem Altmeister des Wiener Jugendstils, nachhaltig gefördert.  Doch Schiele löste sich schon bald vom dekorativen Jugendstil und zeigte in seinen Arbeiten eine deutliche Hinwendung zum Expressionismus. Der menschliche Körper und Selbstbildnisse wurden sein bevorzugtes Thema. In radikaler Subjektivität zeigt Egon Schiele seine Modelle in teils bizarren, verkrampften Posen, mit gelängten und unnatürlich verdrehten Gliedmaßen. Die deutliche und schonungslose Darstellung von Nacktheit seiner z.T. sehr jungen Modelle trifft den Betrachter noch nach 100 Jahren und wurde auch unter den Teilnehmern der Führung im Hinblick auf heutige gesellschaftliche Dispute diskutiert.