Olympia Fulvia Morata (1526 – 1555)

Ferrara im Jahre 1526: Im Dom der oberitalienischen Stadt wird die kleine Olympia zur Taufe gebracht. Das begabte Mädchen wird am Hof der Este, wo ihr Vater arbeitet, gemeinsam mit Prinzessin Anna d’Este erzogen. Dort lernt sie nicht nur die typischen Fertigkeiten, die Frauen in der Renaissance beherrschen mussten, sondern auch Latein und Griechisch. Ihre Klugheit ist bald weithin bekannt; sie beginnt auch, selbst Gedichte zu schreiben.

1550 heiratete sie den aus Schweinfurt stammenden Arzt Andreas Grundler, der zum Kreis der Humanisten am Hofe von Ferrara gehörte, und zog mit ihm nach Schweinfurt, wo Grundler den Posten eines Stadtarztes bekommen hatte. Dort bewohnten Sie ein Haus in der Brückenstraße 12, das leider nicht mehr erhalten ist.

Nach der Eroberung Schweinfurts im Juni 1554 im Zweiten Markgrafenkrieg durch Albrecht Alcibiades floh die Familie zu den Grafen von Erbach im Odenwald. Dort erhielt Grundler einen Ruf auf einen medizinischen Lehrstuhl an der Universität Heidelberg. Olympia Morata erteilte zunächst Privatunterricht in Griechisch, bald erhielt sie als eine der ersten Frauen überhaupt einen Lehrauftrag an der Universität. Jedoch verstarb sie wenig später, am 26.10.1555, an Tuberkulose.

Eine Ehrentafel in der südlichen Seitenkapelle der Heidelberger Peterskirche erinnert noch an sie. Postum erschienen in Basel ab 1558 mehr als 50 Briefe sowie einige Gedichte, Übersetzungen und andere kleinere Schriften Olympia Moratas. In Schweinfurt erinnert das Denkmal in der Brückenstraße an die Namensgeberin unserer Schule, eine der gelehrtesten und bedeutendsten Humanistinnen der europäischen Geistesgeschichte.