Goethe „zu Gast“ bei Olympia Morata

Thomas Glasmeyer präsentiert sein Figurentheater „Fauste“ im Kellertheater

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Goethe wäre sicher stolz, wenn er wüsste, dass ein Stück aus seiner Feder – zwar in freierer Form, aber noch immer seines – in einem Schulgebäude aufgeführt worden ist, das nach der berühmten Humanistin und Dichterin Olympia Morata benannt wurde, sind doch folgende Worte von ihm bekannt: „Las in den Briefen der Olimpia Fulvia Morata, und es ging mir … ein ganz neues Licht auf.“[1] Freilich bezieht sich der Dichter hier auf Erkenntnisse religiöser Art; Bewunderung für die junge Gelehrte des 16. Jahrhunderts ist dieser Aussage allemal zu entnehmen.

Nicht minder stolz könnte Goethe auf die Manier der Inszenierung sein, die der Puppenspieler Thomas Glasmeyer und sein Regisseur Martin Menner gewählt haben: „Faust I und II“ als Figurentheater, bei dem alle 24 Figuren durch eine einzige Person gespielt werden, auch dem Special Effect sei Dank. Schon allein dadurch war die Aufmerksamkeit des Publikums – zum großen Teil Schüler/innen der Oberstufe, die im Vorfeld sicher nicht ahnen konnten, was sie erwartete – erregt. Ebenfalls beeindruckt zeigten sich die Gäste im Kellertheater von den Figuren, die der Puppenspieler alle selbst mit viel Liebe zum Detail aus Materialien wie Holz und Pappkarton angefertigt hat. Diese ließ er in einer neuartigen und modernen, aber stets gereimten (!) Textversion sprechen, die gespickt mit vielen Originalzitaten und aktuellen Anspielungen sehr eingängig war und oft für beachtliche Heiterkeit sorgte. Nicht selten hörte man den Endreim schon im Vorfeld leise aus dem Zuschauerraum ertönen. So war es dem Puppenspieler recht; er hatte sein Publikum gewonnen.

Und nach der Vorstellung und einem Selfie mit Faust hat sicher der eine oder andere unbewusst im Geiste Goethe zitierend das Olympia-Morata-Gymnasium verlassen: „[E]s ging mir … ein ganz neues Licht auf.“1

Herzlich gedankt sei Frau Kaminski, Frau Beutner und Frau Merkel für die Unterstützung bei der Organisation und Durchführung der Veranstaltung und dem Freundeskreis unserer Schule für die reichhaltige Verköstigung!

Magdalene Schäfer

[1] Goethe, Johann Wolfgang von: Tagebücher (1827-1828), Weimarer Ausgabe, Abt. III, Bd. 11, Weimar 1900, S. 173.